Der Corgi, der noch keine Rute hatte

Auszug aus "Ruby and the Moon" von Kelly Lynn Thomas
http://kellylynnthomas.com/

Es war einmal eine Corgi-Hündin. die keine Rute hatte. Sie hatte nie eine gehabt und war sich dessen nicht bewusst, bis ein Kind ausrief: "Er hat noch keine Rute!" Abgesehen von der Beleidigung als Junge tituliert zu werden, war sie nicht sicher, was das Kind meinte. Sollte sie eine Rute haben? Sie war selbst noch jung, war aber bisher ohne Rute zurecht gekommen.

buldogVon da an bemerkte sie, dass alle Hunde, die ihr begegneten, eine Rute hatten, selbst die neugeborenen Welpen. Jetzt genierte sie sich wegen ihrer fehlenden Rute und hoffte, dass die anderen Hunde ihren Makel nicht bemerkten. Aber sie bemerkten ihn, vielleicht gerade weil sie sich so anstrengte, ihn zu vertuschen. Eine grosse Bulldogge fragte sie, was mit ihrer Rute geschehen war, aber anstatt zu antworten, liess sie den Kopf hängen und ging weg.

Die Corgi-Hündin wurde unsicher und scheu und zog sich zurück. Sie versuchte alles Mögliche, um die Rute zum Wachsen zu bringen. Sie zog mit den Zähnen an der Stelle, wo die Rute sein sollte, um zu sehen, ob sie vielleicht stecken geblieben war, aber sie riss dabei nur Haarbüschel aus, was den anderen Hunden Anlass gab, sich über ihre kahlen Stellen lustig zu machen. Dann versuchte sie, Schilfwedel zu befestigen, die als Ersatzrute dienen sollten, aber das löste bei den anderen Hunden nur noch mehr Gelächter aus.

Einige Wochen vergingen, ohne dass die Hündin ihren Garten verliess, und sie wurde immer unglücklicher. Falls du noch nie einen Corgi getroffen hast, sollst du wissen, dass Corgis nicht zu den Hunden gehören, die einfach herumsitzen und den Kopf hängen lassen, und schliesslich hielt sie ihr Selbstmitleid nicht mehr aus. Und so wandte sie sich eines Tages im Hunde-Park an einen alten, weisen Hirtenhund.

"Sir? Wissen Sie, warum ich keine Rute habe?" fragte sie, ohne ihn dabei anzuschauen.

"Du brauchst keine Rute", antwortete der Hirtenhund.

"Aber alle anderen Hunde haben eine Rute. Kann ich nicht irgendwie eine bekommen?" Wenn Hunde erröten könnten, wäre das Gesicht des kleinen Corgis leuchtend rot geworden.

Der Hirtenhund lachte. "Nein, du brauchst keine dumme Rute. Sie verheddert sich nur und bietet den Kindern etwas, woran sie ziehen können. Deine Vorfahren hüteten das Vieh. Die Menschen kupierten eure Ruten, damit das Vieh nicht auf sie treten würde und sich keine Kletten darin verfangen konnten. Ich weiss nicht, ob du jemals auf einer Klette gelegen hast, aber es tut verd… - naja, es tut weh."

Seine Augen funkelten schelmisch, aber die Corgi-Hündin wusste, dass er ihr die Wahrheit erzählte. Trotzdem, sie hatte sich in den Kopf gesetzt, dass sie eine Rute haben wollte.

"Das ist dennoch nicht fair" sagte sie "alle anderen Hunde machen sich lustig über mich. Und ich hüte ja kein Vieh oder sonst was."

"Fair bedeutet nicht, dass alle das Gleiche bekommen" antwortete der Hirtenhund. "Es bedeutet, dass jeder bekommt, was er braucht."

Der Corgi war nicht glücklich, aber der Tonfall des Hirtenhundes deutete an, dass er nicht gewillt war, seine Meinung in dieser Sache zu ändern. Sie bedankte sich bei ihm und ging zurück zu ihren Menschen. Auf dem Heimweg war sie so in Gedanken über den Rat des Hirtenhundes vertieft, dass sie den Hund, der ihr entgegen kam, nicht bemerkte, bevor sie in ihn stiess.

"He, du Zwerg, pass doch auf, wohin du gehst!" knurrte er. Seine Menschen zogen ihn zurück, aber er schaute weiterhin verächtlich auf den Corgi hinunter. "Was ist mit deiner Rute passiert?" feixte er höhnisch.

Die erste Reaktion des Corgis war, sich beschämt von dem Hund abzuwenden, aber dann erinnerte sie sich an die Worte des Hirtenhundes über ihre Vorfahren. "Ich brauche keine Rute" sagte sie spöttisch. "Sie wäre nur im Weg".

Sie entfernte sich von dem Rüpel mit erhobener Nase. Falls sie zurückgeschaut hätte, hätte sie seinen betroffenen Ausdruck bemerkt. Als sie sicher war, sich ausser Sicht- und Hörweite zu befinden, verzog sich ihre Schnauze in ein breites Grinsen.


Von da an war sie stolz auf ihre fehlende Rute und die Geschichte ihrer Vorfahren. Ihre Selbstsicherheit überraschte die anderen Hunde, und sie hänselten sie nie mehr wegen ihrer Rute.

Übersetzt von ANo, mit freundlicher Genehmigung

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10.05.2015